Das war die schönste Zeit – mein persönlicher Rückblick

14 Dez 2020 | Aktuelles, Lifestyle, Mindset, X-Mas | 0 Kommentare

Es ist wieder die Zeit der Jahres-Rückblicke, meine lieben Freunde! Aber ich muss euch sagen, ich möchte äusserst ungern auf dieses Jahr zurückblicken. Ich weiss ja nicht, wie’s euch geht, aber ich habe leider keine schöne Erinnerungen an dieses Jahr.

Genau genommen habe ich gar keine Erinnerungen, weil ich gefühlt das ganze Jahr auf der Couch gesessen habe. Obwohl das ist nicht ganz richtig. Ich habe auch wieder angefangen regelmässig Sport zu treiben – zuhause versteht sich. 2020 wird also als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem ich die Fitness meines Lebens hatte. Wenn ich’s mir überlege, ist das eigentlich doch gar nicht so schlecht.

Aber zurück zum Thema. Was ich euch eigentlich erzählen wollte, war, dass ich gestern morgen zufällig im Radio das Lied “Es war die schönste Zeit” von Bosse gehört habe. Der ein oder andere kennt es vielleicht.

Was hat das nun mit einem Jahres-Rückblick zu tun? Ganz einfach: gar nichts! Denn dies ist nicht mein Jahres-Rückblick, sondern mein Lebens-Rückblick! Bam!

Als ich nun so in der Küche sass, meinen Kaffee schlürfte und mir das Lied mal genauer anhörte, überkam mich eine tiefe Melancholie. (Keine Angst, ihr Lieben, ich bin nicht gefährdet.) Der Sänger erzählt in dem Lied von seiner Jugend in den 90ern (genau 1994) und was diese Zeit ausmachte. Diese besondere Stimmung trifft er, wie ich finde, sehr gut. Rückblickend betrachtet, war es eine unbeschwerte Zeit. Natürlich hatte man auch seine Probleme, aber im Vergleich zu heute waren es Peanuts – wie man so schön sagt.

Ich bin Jahrgang 1974 und so waren die 90er meine 20er. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie dankbar ich dafür bin! Denn mir ist in meiner Küche an diesem morgen klar geworden, dass es einfach die schönste Zeit war. Aber was mir auch schlagartig bewusst wurde, war, dass es nie mehr so werden wird. Und das macht mich schon sehr traurig.

Was hat diese Zeit so besonders gemacht?

Es war mir damals nicht bewusst, aber es war eine Zeit ohne Sorgen und Ängste. Es gab zwar auch radikale Strömungen, aber die waren nicht so präsent wie heute. Vielleicht lag es auch daran, dass ich sie nicht wahrgenommen habe oder dass es noch nicht so stark publiziert wurde – es gab ja keine soziale Medien, sondern nur die Tagesschau und die nur einmal am Tag. Terroranschläge wie es sie heute gibt, waren nicht existent. OK, es gab die RAF und vielleicht erinnert ihr euch auch noch an die Fahndungsplakate, die im Krämer-Laden oder beim Bäcker an der Ladentür hingen. Aber ganz ehrlich, das ist doch nichts im Vergleich zu den heutigen Sicherheitvorkehrungen allerorts. Ich kann mich noch erinnern wie ich mit meiner besten Freundin Jutta ein Formel Eins Konzert in der Niederrheinhalle besucht habe. Formel Eins war eine Musiksendung und es haben gespielt, ich weiss es noch wie heute, Dan Harrow und OMD. Wir sind da einfach hereinspaziert. Keine Sicherheitskontrollen, keine Taschenkontrollen, nichts, nada, niete!

Wenn ich an diese Zeit – meine schönste Zeit – zurück denke, dann fällt mir noch etwas auf. Nämlich das wir miteinander kommuniziert haben. Ja, ihr habt richtig gelesen. Wir haben uns unterhalten, diskutiert und uns mitgeteilt – und was noch viel wichtiger war, wir haben auch zugehört. Ich weiss nicht, was sich verändert hat und vor allem warum, aber wir waren damals in der Lage zu reflektieren und andere Meinungen zu akzeptieren und konnten trotzdem respektvoll miteinander umgehen. Heute habe ich das Gefühl, dass die Menschen denken, je lauter sie schreien, desto eher werden sie gehört. Vielleicht ist es diese Social Media Mentalität, die die Menschen dazu ermutigt sich darzustellen. Meine Oma hat immer gesagt, Bescheidenheit ist eine Tugend.

Es ist heute kaum noch vorstellbar, aber Privates war auch privat. Man war nicht für jedermann ein wie ein offenes Buch. Nun man “Butter bei die Fische” – wer hat noch nie nach einer bestimmten Person gegoogelt? Hat jeder schonmal gemacht, oder? Den Schwarm, den Freund, den Mitarbeiter, den Nachbarn, den Chef! Dank Facebook und Co. kann man sich schnell über den letzten Urlaub, die Wohnungseinrichtung, die Frau oder die beruflichen Ambitionen der Kinder informieren. Natürlich sind das alles keine Geheimnisse, könnte man meinen, ist doch nichts dabei. Aber es ist doch so, je mehr Einblicke man in sein Leben gewährt, desto angreifbarer wird man leider auch.

Jetzt bin ich schon wieder abgeschweift. Es fehlt in meinem Rückblick noch ein wesentlicher Punkt. Ihr könnt es euch vielleicht schon denken.

Es ist natürlich Corona.

Pandemien gab es in der Geschichte der Menschheit schon immer, deshalb war es eigentlich unvermeidlich, dass irgendwann wieder, in diesem Fall, ein Virus die Weltbevölkerung heimsucht. Ich hatte es schlichtweg nicht auf dem Schirm. Die letzte grosse Seuche war die spanische Grippe – übrigens auch ein Virus – die von 1918 – 1920 weltweit 50 Mio. Opfer forderte.

Nun hat sich aus medizinischer und hygienischer Sicht seitdem einiges getan, deshalb hat man sich in Sicherheit gewiegt. Ich hätte nie für möglich gehalten, dass so etwas passieren könnte. Nun ist es so und wir überstehen das auch – keine Frage, aber die Unbeschwertheit ist weg.

Die Generation, die die spanische Grippe noch miterlebt hat, gibt es nicht mehr, deshalb ist es für uns alle eine neue und einschneidende Erfahrung. Auch deshalb schaue ich gerne zurück, denn “meine schönste Zeit” war unbelastet von Pandemien. Die Zukunft wird ab sofort immer überschattet sein von der Angst, dass es sich wiederholen könnte. Auch tut es mir für Generation leid, die jetzt jung ist. Wir konnten damals unbeschwert Abenteuer erleben, feiern, knutschen, reisen und erwachsen werden. Wie soll das jetzt bitte aussehen – mit Abstand und Mundschutz?? Ich kann mich noch gut an die Klassenfeten mit Flaschendrehen erinnern. Wahrheit oder Pflicht – Pflicht war meistens jemanden küssen, oder?

All das wegen eines Liedes

Ja, all das kam mir in den Sinn, als ich dieses Lied hörte und ehrlich gesagt noch viel mehr, aber das würde den Rahmen sprengen.

Ich bleibe dabei: Es war die schönste Zeit und ich bin traurig, dass die Zukunft nicht besser wird. Ihr könnt mich gerne als altmodisch bezeichnen, als ewig Gestrige, ist mir egal. Die Generationen nach uns werden es nicht anderes kennen, das ist der Vorteil der Jugend, man wächst in seine Zeit herein. Wahrscheinlich schreibt genau diese Generation irgendwann, dass 2020 die schönste Zeit für sie war – ich kann es mir nur schwer vorstellen, aber wer weiss schon, was kommt.


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Eine Liedzeile lautet übrigens: “An dem Tag als Kurt Cobain starb, lagst du in meinen Armen. Das war die schönste Zeit.” Ich weiss auch noch ganz genau, wo ich war, als Kurt Cobain starb. Du auch?

Liebste Grüsse,

Eure Katja

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